Flüchtlingshilfe in Griechenland

vom Verein Respekt für Griechenland e.V. durch Entsendung von Freiwilligen Berichte aus Lesbos und Athen

Paulina und Benedikt über Moria im Winter

Paulina

Paulina, eine Studentin der Islamwissenschaften mit Sprachkenntnissen in Arabisch und Farsi, erlebte, wie in der ersten Januarwoche 2017 diese Zelte im Hotspot Moria unter dem Schnee zusammenbrachen und die Menschen der Kälte schutzlos ausgeliefert waren. September /Oktober 2016 und dann erneut von Weihnachten bis Mitte Januar 2017 gehörte sie dem Team „Volunteers for Lesvos“ an.

Paulina schreibt:

Der Winter ist da. Und der frisch gefallene Schnee, der bei uns Daheim sonst so schön, romantisch und friedlich ist, ist hier eine Katastrophe.

 

In den letzten Tagen ist das Versagen aller Verantwortlicher für mich so deutlich geworden, wie nie zuvor. Leider gibt es dafür wirklich keine weniger harten Worte und jeder Euphemismus ist fehl am Platz. Was in Camps wie Moria momentan passiert ist menschenunwürdig.

 

Eigentlich versuche ich immer, das Gute in allem zu sehen, um – wie die Menschen in den Camps – nicht den Mut und die Zuversicht zu verlieren. Aber in diesen Tagen ist das verdammt schwer geworden. Ich frage mich immer und immer wieder, wieso nichts passiert. Warum stehen hier so viele Wohnungen und Häuser frei, aber kaum einer möchte die geflohenen Menschen darin wohnen lassen? Warum muss alles auf die viel zu kleinen, eingezäunten Camps begrenzt werden? Wegen des Platzmangels und des schlechten Untergrunds können die Zelte nicht richtig aufgestellt werden und brechen so unter den Regen- und Schneemassen schon nach wenigen Minuten zusammen. Kaum einer hat winterfeste Schuhe oder eine anständige Jacke. Ständig muss ich bei meiner Arbeit Leute abweisen oder kann nicht mehr tun als zuzuhören, wenn sie mit völlig durchweichten Schuhen oder gar nur in Schlappen vor mir stehen. Es hat Minusgrade und wir führen mit Halsschmerztabletten, Paracetamol und Co einen vergeblichen Kampf gegen die tausendfachen Erkältungen. Von Mitarbeitern einiger Organisationen, die Klamotten ausgeben, weiß ich, dass die Lager voll sind. Warum also wird nichts oder viel zu wenig herausgegeben? Damit nicht einer aus Versehen zwei Pullover hat? Oder gar ein paar Sneaker UND ein Paar Winterschuhe? Lieber behält man alles in den Lagern und lässt Kinder und Erwachsene frieren.

Siehe auch den Bericht von Paulina (September/Oktober 2016) über den Brand am 18. September 2016 in Moria im Blog http://volunteersforlesvos.wordpress.com
Hier ein Ausschnitt:
„Auf Lesbos erlebte ich die vermutlich emotional intensivsten Wochen meines Lebens. Paradoxerweise braucht es erst einen Brand, um die Lage der Flüchtlinge aus Lesbos für einen kurzen Moment zurück in das öffentliche Gedächtnis zu bringen.“

 

Benedikt

Benedikt, ein Jurist aus NRW, war zweimal im Hotspot Moria tätig, im Sommer 2016 sowie von Mitte Dezember bis Mitte Januar 2017.   

Benedikt schreibt:

Meine Freiwilligentätigkeit in Moria lässt sich am besten als Community Service bezeichnen. Hauptaugenmerk meiner Arbeit liegt darauf, die Kommunikation zwischen den vor Ort tätigen Organisationen und den Geflüchteten zu verbessern, bzw. Fürsprache für die Geflüchteten zu halten. Unklarheiten und Fragen können die Unterbringung, die ärztlichen Versorgung und –  besonders wichtig – das Asylverfahren betreffen. Ein weiteres Aufgabenfeld von mir ist die Gewährung rechtlicher Hilfe. Gerade was die Familienzusammenführung betrifft, ist den meisten Geflüchteten nicht klar, wann und unter welchen Umständen ein Antrag erfolgversprechend sein kann. Daher suche ich entsprechende Fälle auf, und sorge dafür, dass sie anwaltlich betreut werden.

Eingang zur Registrierung in Moria, 26. 01. 2016, Foto Ralf Henning

In den letzten Tagen wurde noch mal offensichtlich, dass die für die Lagerverwaltung verantwortlichen Stellen unfähig sind, strategisch zu planen. Bereits im Sommer war abzusehen –  und auch Teil der Besprechungsergebnisse –  gewesen, dass vorbeugende Maßnahmen für den Winter dringend erforderlich sind. Es bestand Einigkeit, dass sich Zustände wie im Winter 2016 nicht wiederholen dürfen. Nun hat es letztes Wochenende etwa 20cm Neuschnee gegeben, verbunden mit einem Temperatursturz und starkem Wind, der selbst tagsüber das Thermometer nicht über 1° steigen lässt. Dieser Temperatursturz kam nicht unerwartet. Er war in den Wetterberichten zuvor angekündigt worden. (Über die Folgen wurde bereits berichtet). Besonders erschreckend war zu erkennen, dass es im Camp offensichtlich keine Vorbereitung darauf gab, die Menschen im Winter mit warmer Kleidung zu versorgen und ihnen zumindest winterfeste Zelte zu geben. Nun aber können keine trockenen Schuhe oder Hosen verteilt werden und es gibt auch keinen Ersatz für die zusammengebrochenen Zelte. Das generelle Problem der unklaren Zuständigkeiten tritt hier überdeutlich zu Tage. Für mich wird dadurch auf erschreckender Weise klar, dass sich seit meinem ersten Aufenthalt als Volunteer auf Lesbos im Sommer 2016 kaum etwas zum Besseren, wohl aber vieles zum Schlechteren entwickelt hat.“

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