Flüchtlingshilfe in Griechenland

vom Verein Respekt für Griechenland e.V. durch Entsendung von Freiwilligen Berichte aus Lesbos und Athen

Die Ärztin Anja Sophie berichtet aus Moria

Anja Sophie schreibt *:

Inmitten von Olivenhainen

Als Berliner Assistenzärztin habe ich gemeinsam mit einer befreundeten Kinderkrankenschwester und Sozialarbeiterin im Oktober 2016 zwei Wochen auf Lesvos verbracht, um als ärztliche Volontärin an einem der wichtigsten Ankunftsorte für Geflüchtete mitzuhelfen.

Mein Haupteinsatzort war Moria. Dieses sogenannte »Hotspot-Flüchtlingslager« ist ein unsäglicher Ort inmitten von Olivenhainen. Etwa 4.500 gestrandete Menschen schlafen hier hinter Zäunen und Absperrungen in Zelten und manchmal lediglich unter notdürftigen Plastikplanen auf dem Boden. […]

Neben den oft schweren traumatischen Erfahrungen im Heimatland und während der Flucht, ist die aktuelle Ungewissheit und Perspektivlosigkeit der Menschen hier am schlimmsten. »Zu Hause gab es ein 50-prozentiges Risiko, getötet zu werden. Hier gibt es ein 100-prozentiges Risiko, depressiv zu werden«, so beschrieb es ein Geflüchteter. […]

Als Ärztin war ich in der Akutsprechstunde für Erwachsene und Kinder tätig. […]. Persönlich bleiben mir viele Einzelschicksale besonders in Erinnerung. So beispielsweise die akute Not eines jungen Mannes aus Eritrea, der zusammengeschlagen worden war und während der Erstversorgung plötzlich reanimationspflichtig wurde. Der Einsatz wurde durch Abstimmungsprobleme mit Ambulanzen, Polizei und Krankenhaus zusätzlich erschwert  […]

Im Rahmen der medizinischen Versorgung sahen wir auch viele traumatisierte Patienten, die aus umkämpften und zerbombten Regionen geflohen sind, nun hier festsitzen und deren Weiterreise seit Monaten ungewiss ist. Ihr Schicksal ist völlig offen. Manche stellen sich mit vordergründig vergleichsweise kleinen Beschwerdebildern vor. Oft steht dahinter das tiefe Bedürfnis, gesehen zu werden, Zuwendung und Hilfe zu erfahren – und sei es aufgrund eines grippalen Infekts. Leider hatten wir zudem jedoch auch regelmäßig Patienten mit Selbstverletzungen, insbesondere Schnittverletzungen sind häufig.

* Ausschnitt aus dem Erfahrungsbericht von Anja Sophie Krauss (zuerst erschienen in der blz 02/17 der GEW Berlin, vollständig nachlesbar auf https://volunteersforlesvos.wordpress.com )

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